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Peter Hase

Ein Kaninchen erobert die Welt

Als Beatrix Potter zum ersten Mal Ihren Hasen Peter als Inspiration für eine Zeichnung nutzte, tat sie das in einem illustrierten Brief an Noel Moore, den fünfjährigen Sohn ihrer ehemaligen Gouvernante: „Ich weiß nicht, was ich schreiben soll, und so werde ich dir die Geschichte von vier kleinen Kaninchen erzählen“, schrieb sie.

Das war im Jahr 1893, und die 27-jährige Beatrix Potter gehörte einer sehr wohlhabenden Familie der oberen britischen Mittelschicht an. Sie hatte aufgrund Ihres Talents bereits früh Zeichenunterricht erhalten und bekam zu Hause auch reichlich Inspiration für die Motive: Die Potter-Kinder hielten zahlreiche Tiere, darunter Hunde, Mäuse, Frösche, Eidechsen und Molche - und natürlich auch Kaninchen.

Zuerst konzentrierte sich die Künstlerin auf naturkundliche Illustrationen, aber in den 1890er Jahren schrieb sie immer häufiger Bilderbriefe an die Kinder der weitläufigen Verwandtschaft und so auch an die Kinder ihrer ehemaligen Gouvernante. In den Bilderbriefen dokumentierte Sie vor allem Tiere: So finden sich etwa eine Katze, die zwei Fische zu erhaschen versucht oder ein Esel, dessen Augen mit einer Schürze verbunden werden, damit man ihn auf eine Fähre führen kann. Die Gouvernante sammelte alle illustrierten Briefe und forderte Beatrix Potter im Jahr 1900 auf, daraus ein Kinderbuch zusammenzustellen. Sie entschied sich für Peter Rabbit und die Geschichte von 1893. Dazu musste Sie allerdings die Handlung erweitern und zahlreiche neue Illustrationen ergänzen. Das fertige Buch bot sie insgesamt sechs Verlagen an, die aber allesamt ablehnten: Den einen war das Risiko zu hoch, die anderen verlangten nach einem Text in Versen. So erschien im Jahr 1901 eine erste Auflage von 250 Exemplaren im Selbstverlag. Beatrix Potter verschenkte davon die meisten in der Bekanntschaft.

Im Jahr 1902 nahm allerdings der Verlag Frederick Warne & Company, der das Buch zunächst abgelehnt hatte, wieder Kontakt zur Autorin auf: Es fehlte an geeigneten Kinderbüchern im Sortiment. Beatrix Potter, als unverheiratete Frau nicht unbeschränkt geschäftsfähig, musste die Verhandlungen über ihren Vater führen. Ihr lag vor allem daran, dass sie das Copyright an späteren Auflagen behalten konnte, damit sie selbst – sollte das Buch kein Erfolg sein – weitere Auflagen selbst herausgeben konnte. Nach zähen Verhandlungen erschien dann im Oktober 1902 die erste Auflage mit 8.000 Exemplaren, die bereits vor der Auslieferung an den Buchhandel ausverkauft waren. Am Ende des Jahres waren bereits 28.000 Bücher verkauft und im Jahr darauf betrug die Auflage insgesamt 56.470 Exemplare. Heute sind die 23 Bücher und die zahlreichen Produkte mit liebevollen Zeichnungen von Beatrix Potter in mehr als 110 Ländern der Welt bekannt und nicht nur bei Kindern beliebt!

Mit „The Tale of Peter Rabbit” steht Beatrix Potter in einer Reihe mit anderen herausragenden Kinderbuch-Autoren und –Autorinnen der Jahrhunderwende: Zusammen mit „Alice im Wunderland“ (1865) von Lewis Carroll, „Peter Pan“ (1911) von J. M. Barrie, „Der Wind in den Weiden“ (1908) von Kenneth Grahame und „Psammy sorgt für Abenteuer“ (1902) von Edith Nesbit gehört „Peter Rabbit“ zu den Klassikern der phantastischen Kinderliteratur Großbritanniens.

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